Retrospektiv betrachtet gilt er als einer der größten Fashion-Fotografen des 20. Jahrhunderts: Guy Bourdin. Seine Bilder bestechen auch heute noch durch ihre surrealen, das Unterbewusste kitzelnden, manchmal verstörenden Elemente – und haben seit ihrem Erscheinen zahllose Fotografen, Künstler und Filmemacher inspiriert. Das Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen widmet dem Fotografen jetzt vom 01.10.2013 bis zum 26.01.2014 eine umfassende Werkschau.
Screenshot Bourdin-Ausstellung Deichtorhallen 2013

Getrieben vom Unterbewussten?

Der 1928 geborene Guy Bourdin erfuhr bereits früh im Leben eine tiefe Zurückweisung: Seine leibliche Mutter, angeblich eine rothaarige Schönheit, wies ihn zurück. So wuchs er bei seinen Großeltern väterlicherseits auf, in Paris und zeitweise auch in der Normandie. Nach seinem Wehrdienst bei einer fotografischen Aufklärungseinheit der französischen Luftwaffe in Afrika folgten erste kleinere Ausstellungen – Malerei und mit Tusche gefertigte Zeichnungen. Nachdem Bourdin sich mehrfach hartnäckig beworben hatte, nimmt ihn der Foto-Surrealist Man Ray schließlich unter seine Fittiche – und wird zu seinem Mentor. Im Jahr 1955 begann dann die eigentliche Karriere Bourdins: Erste Aufnahmen von ihm erschienen in der französischen „Vogue“ – eine Kooperation, die seinen Ruhm begründen und eine 30 Jahre lang anhaltende Karriere starten sollte: So arbeitete er im Laufe seiner Karriere für so illustre Namen wie Ungaro, Chanel und – ebenfalls über lange Jahre hinweg – für den Schuhdesigner Charles Jourdan.

The dark Side of Bourdin

Zeitgenossen bezeichnen Bourdin als eher schwierigen, sperrigen Menschen, der als Perfektionist seine Bilder genau durchkomponierte – und dessen Leben eine dunkle Seite hatte. So soll er Berichten zufolge seine Freundinnen zusehends von der Öffentlichkeit isoliert haben; nicht mal Telefonieren war erlaubt. Trennungen, Selbstmordversuche und mysteriöse Unfälle häuften sich in seinem Beziehungsleben. Umstände, die sich in vielen seiner enigmatischen Bilder widerspiegeln. Auch war er dafür bekannt, die Models bei seinen Shootings oftmals nicht gerade gut zu behandeln.
Bourdin hat zeitlebens nie sonderlich Wert auf die Konservierung seines Schaffens gelegt – er schlug sogar einen Preis des französischen Kulturministeriums aus – und sah sich eigentlich eher als Maler, eine Rolle, in der ihn Selbstzweifel hegten und in der ihm der Erfolg zu Lebzeiten versagt blieb. Bourdin starb zurückgezogen 1991, eine hohe Summe an Steuerschulden hinterlassend.

Morbide inszenierter Glamour

Die Modefotografie Bourdins zeichnet sich dadurch aus, dass Sie mit nur einem Bild versucht, eine Geschichte im Kopf des Betrachters auszulösen. Das beworbene Produkt gerät dabei fast in den Hintergrund. Dabei sind die Models fast immer puppenhaft-passiv dargestellt – ganz anders als etwa die des ebenfalls in den Siebzigern erfolgreichen Fotografen Helmut Newton. Dessen Modelle wurden zwar auch in der für die Zeit typischen Weise sexualisiert dargestellt, strahlten dabei aber oft eine kühle, dominante, fast furchteinflößende Aura aus. Bei Bourdins Motiven hingegen regiert das Latent-Morbide: Die Frauen wurden oft als Opfer von Kriminalität oder Unfällen dargestellt, oder richteten sich gar selbst. Eins seiner berühmtesten Fotos zeigt eine „Crime Scene“, wo vom Opfer neben dem Kreideumriss nur noch die High Heels übrig sind. Die eher passive Darstellung der Frau spiegelte sich übrigens bereits in Bourdins Frühwerk aus den Fünfzigern wieder: Auch hier erscheinen die weiblichen Protagonisten seiner S/W-Aufnahmen fast leblos.

Als Teil der Retrospektive ist als Rahmenprogramm eine Kabinettausstellung aus der Sammlung F.C. Gundlach zu sehen, die die Werkschau zeitlich und inhaltlich begleitet: Ausgestellt sind unter anderem Werke von Man Ray, Helmut Newton, William Klein und Erwin Blumenfeld.


Deichtorhallen Hamburg
Guy Bourdin Retrospektive
01.10.2013 – 26.01.2014

Haus der Photographie
Deichtorstraße 1-2
20095 Hamburg

Dienstag bis Sonntag: 11 − 18 Uhr
Jeden 1. Donnerstag im Monat: 11 − 21 Uhr


Foto: Screenshot der Seite http://www.deichtorhallen.de/index.php?id=352

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